B1: Narrative Kompetenz

Projektleiter: Prof. Dr. Ansgar Nünning
Wissenschaftliche Mitarbeiter: Jonas I. Meyer, (bis 09/2009: Dr. des. Jan Rupp)
PhD-Stipendiatin: Sabrina Kusche
Wissenschaftliche Hilfskraft: Rebecca Hagelmoser

Projekt B1Narrative Kompetenz, also die durch Erziehung vermittelte Fähigkeit, Geschichten verstehen, produzieren und erzählen bzw. Ereignisse, Erfahrungen oder Selbsterlebtes durch Erzählstrukturen wiedergeben zu können, gilt nicht nur als ein anthropologisches Grundbedürfnis des Menschen und als Mittel der Identitäts- und Sinnstiftung, sondern zählt auch zu den zentralen Kulturtechniken. Ausgehend von der Einsicht in die historische, kulturspezifische und mediale Variabilität von Erzählformen rückt dieses Teilprojekt die Frage ins Zentrum, wie sich narrative Kompetenz im Prozess der Medialisierung verändert. Untersucht werden zum einen die Auswirkungen neuer Medientechnologien (Email, Internet) auf literarisches Erzählen im zeitgenössischen Roman, bei dem mit dem Email-Roman und dem Pop-Roman neue hybride Genres entstanden sind. Zum anderen geht es um die Erforschung der Veränderungen von narrativer Kompetenz im Prozess der Medialisierung anhand relativ neuer narrativer Medienformate (z. B. Blogs und Sitcoms).

Mit dem Fokus auf narrative Kompetenz erforscht dieses Teilprojekt eine zentrale Kulturtechnik, der in der heutigen Medienkulturgesellschaft in Erziehung, Wissenschaft, Medien und Wirtschaft große Bedeutung zukommt und die in engem Bezug zu den elementaren Kulturtechniken des Lesens und Schreibens sowie zu Textroutinen und Wissensordnungen steht. Dieses Teilprojekt verfolgt drei Ziele: Erstens sollen auf der Grundlage einer Explikation des Konzepts der narrativen Kompetenz dessen unterschiedliche Dimensionen herausgearbeitet werden. Zweitens soll am Beispiel der neuen Genres des Email-Romans und des Pop-Romans geklärt werden, welche Auswirkungen neuer Medientechnologien (Internet, Email) sich beim literarischen Erzählen im zeitgenössischen Roman beobachten lassen. Drittens soll gezeigt werden, wie sich eine ursprünglich mündliche Kulturtechnik wie das Erzählen im Prozess der Medialisierung verändert hat und welche neuen Erzählformen, Routinen und Genres durch neue Medien entstanden sind. Mit der Erforschung von narrativer Kompetenz möchte das Teilprojekt außerdem einen Beitrag leisten zu einem besseren Verständnis von auto/biographischer Sozialisation, Identitätsentwicklung, Geschichtsbewusstsein, narrativem Handeln im Alltag und der individuellen Medienkompetenz. Methodisch orientiert sich das Teilprojekt an den Verfahren der Narratologie, v.a. an neueren Ansätzen der transgenerischen und intermedialen Erzähltheorie, der Intermedialitätsforschung, der narrativen Psychologie und der textlinguistischen Erzählforschung.

Postdoc-Projekt im Rahmen des Teilprojektes:

  • Dr. des. Jan Rupp: “Narratologische ‘Blog-graphie’: Formen und Funktionen medialer Narrativität in Blogs”

Promotionsprojekte im Rahmen des Teilprojektes:

  • Rebecca Hagelmoser: “Corporate Storytelling. Strategien und Funktionen der narrativen Selbstrepräsentation der Automobilbranche im Internet” (Arbeitstitel)
  • Sabrina Kusche: “Email-Roman und mobile phone novel. Formen und Funktionen der Medialisierung literarischer Erzählgenres” (Arbeitstitel)
  • Jonas Ivo Meyer: „Auf der Suche nach einer kulturwissenschaftlichen Erweiterung der Erzähltheorie”

Arbeitsprogramm:
Arbeitspaket 1:
Explikation der Kulturtechnik „narrative Kompetenz“, interdisziplinäre Konzeptualisierung seiner Dimensionen und Materialerschließung
Arbeitspaket 2:
Analyse und Auswertung von Email- und Pop-Romanen
LOEWE KugelnArbeitspaket 3:
Analyse und Auswertung neuer narrativer Medienformate
Arbeitspaket 4:
Vergleich der Ergebnisse der beiden Arbeitsvorhaben und Rekonstruktion medialer Veränderungen narrativer Kompetenz